Eines der spätmittelalterlichen Schlösser Württembergs

Residenzschloss Urach

Detailansicht von der Wandmalerei im Palmensaal von Schloss Urach; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Janna Almeida
Grosser Raum für Empfänge und Feste

Der Palmensaal

Über der Dürnitz liegt der zentrale, große Empfangssaal, der wegen der Wandgestaltung Palmensaal genannt wird. Um der italienischen Verwandtschaft seiner Braut zu imponieren, ließ Graf Eberhard V. die Wände des Saals bemalen: mit wandhohen Palmen, seiner Lebensdevise „Attempto“ und den Wappen seiner Vorfahren.

Blick auf die Wandmalerei im Palmensaal von Schloss Urach; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

Die Ausmalung, entdeckt in den 1960er-Jahren.

Hoch zu Ross in den Empfangssaal

Eine hölzerne Außentreppe, die von Ross und Reitern genutzt werden konnte, führte vom Schlosshof in das erste Obergeschoss, in den  Palmensaal. Er erstreckt sich über das gesamte Geschoss und ist der zentrale Empfangs- und Festsaal des Residenzschlosses. Ursprünglich wurde die Decke des Saals, über deren Ausgestaltung nichts Näheres bekannt ist, von Eichensäulen gestützt.

Porträt Graf Eberhards V. in der Stiftskirche Tübingen; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Robert Bothner

Graf Eberhard V. von Württemberg.

Die Lebensdevise: „Ich wag's“

Anlässlich seiner Hochzeit mit Barbara Gonzaga, Tochter des reichen und kultivierten Markgrafen Ludovico II. Gonzaga von Mantua, ließ Graf Eberhard V. den Palmensaal 1474 überaus reich ausmalen. Das außerordentlich anspruchsvolle Bildprogramm zeigt unter anderem wandhohe Palmenbäume, dazu gesetzt steht die Lebensdevise des Grafen, das lateinische „Attempto“, übersetzt „Ich wag's“. Obwohl Eberhard selbst kein Latein konnte, schätzte er literarische Bildung sehr hoch und ließ sich viele lateinische Texte übersetzen. 1477 gründete er die Universität Tübingen.

Monumentaler Ahnennachweis

Vor den großen Palmenbäumen befinden sich acht gemalte Schilde mit den Wappen der Urgroßväter und Urgroßmütter Eberhards V., die von der hohen Abstammung des Grafen zeugen. Er präsentierte mit diesem stolzen und monumentalen Ahnennachweis jedem Gast seines Schlosses die enge Verwandtschaft des Hauses Württemberg mit den Fürstenhäusern Europas. Diese Ahnenprobe ist die älteste, noch heute erhaltene monumentale heraldische Ahnenprobe im weltlichen Bereich nördlich der Alpen.

Wappen von Mömpelgard im Palmensaal von Schloss Urach; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Janna Almeida
Wappen des Herzogs Ulrich von Württemberg im Palmensaal von Schloss Urach; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Janna Almeida
Wappen der Mechthild von Savoyen-Achaia im Palmensaal von Schloss Urach; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Janna Almeida

Verschiedene Wappen der württembergischen Herrscherfamilie im Palmensaal.

Ansicht vom Palmensaal in Schloss Urach; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Janna Almeida

Bemalte Wand im Palmensaal.

Jagdsaal und herzogliches Appartement

Im 16. Jahrhundert wurde der Saal zum Jagdsaal umgewandelt. Davon zeugen verschiedene Inschriften, die sich auf herzogliche Jagden beziehen. Zu den Wandmalereien aus der Zeit des Grafen Eberhard III. kamen weitere hinzu: So sind in einer Fensternische das Wappen des Herzogs Ulrich von Württemberg und an einem anderen Fenster dekorative Malereien aus dem Jahr 1611 zu sehen. Im 18. Jahrhundert, zur Zeit von Herzog Carl Eugen von Württemberg, wurde der Palmensaal zum fürstlichen Appartement mit Gardesaal umgebaut. Diese bauliche Veränderung wurde mit den Sanierungsarbeiten der 1960er-Jahre wieder entfernt.

Mehr erfahren

Kunstwerke & Räume

Bitte wählen Sie maximal 5 Schlagwörter aus.