Eines der spätmittelalterlichen Schlösser Württembergs

Residenzschloss Urach

Eine bayerische Prinzessin in Württemberg

Sabina von Württemberg

Prinzessin Sabina (1492–1564) war eine Enkelin von Kaiser Friedrich III. und als Braut eine sehr gute Partie. Schon als Kind wurde sie Herzog Ulrich von Württemberg versprochen. Nach der Heirat begann ein turbulentes Leben zwischen Ehedramen und Machtspielen. Während ihrer Ehe weilte sie oft in Urach.

Porträt der Sabina von Bayern, Kohlezeichnung um 1530; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Sabina von Bayern hatte eine sehr einflussreiche Familie.

Woher stammte die Prinzessin?

Sabina entstammte dem europäischen Hochadel: Ihre Mutter war eine Tochter des Kaisers aus dem Haus Habsburg, der Vater bayerischer Herzog aus dem Geschlecht der Wittelsbacher. Aus politischem Kalkül wurde Sabina schon im Alter von sechs Jahren dem damals elfjährigen Ulrich von Württemberg versprochen. Dahinter steckten Sabinas Vater Albrecht IV. und ihr Onkel mütterlicherseits, Maximilian I., der ab 1508 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war. Beide wollten sich einen politischen Einfluss in Württemberg sichern.

Wie war ihre Ehe?

Schon die Heirat stand unter keinem guten Stern: Ihr Bräutigam, Herzog Ulrich, musste 1511 durch Sabinas Onkel Kaiser Maximilian I. zur Eheschließung gezwungen werden. Es folgte eine unglückliche Ehe, geprägt von Streit, Gewalt und Eklats. Beide Eheleute waren aufbrausend und Chronisten berichten von täglichen Auseinandersetzungen. Ulrich hatte Affären und ermordete den Ehemann seiner Geliebten. Danach stellte sich Sabina offen gegen ihren Ehemann und floh aus Angst vor ihm von Urach nach München. Damit löste sie einen riesigen Skandal aus, der politische Konsequenzen hatte. Zu Herzog Ulrich kehrte sie nie zurück, wohl aber ins Residenzschloss Urach.

Die Wittelsbacher und die Habsburger standen hinter der arrangierten Ehe von Sabina.

Luftansicht des Residenzschlosses in Urach; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Viele Jahre verbrachte sie in Urach.

Was verbindet Sabina mit Urach?

In Urach befand sich der Hof der Herzogin. 1515 brachte sie dort als zweites Kind den ersehnten Nachfolger Christoph zur Welt. Kurz nach der Geburt sah sich Sabina zur Flucht vor ihrem Ehemann gezwungen. Erst vier Jahre später, als Herzog Ulrich aus dem Herzogtum verbannt worden war, kam sie mit Tochter Anna zurück. Etwa 15 Jahre blieb Sabina in Schloss Urach, wo ihre Tochter mit nur 17 Jahren an der Pest starb. Als Herzog Ulrich 1534 nach Württemberg zurückkehrte, flüchtete Sabina erneut vor ihm.

Wie stand Sabina zur Reformation?

Trotz ihrer Herkunft aus dem Hause Habsburg – das dem alten Glauben anhing und seine Macht teilweise dem Papst verdankte – zeigte sich Sabina offen für die Ideen der Reformation. Ganz im Gegensatz zu ihrem Bruder Wilhelm IV., der zu einem aktiven Vertreter der Gegenreformation wurde. Erst im Alter von 60 Jahren bekannte sie sich offen zum protestantischen Glauben. Ihr Sohn Christoph war bereits zehn Jahre früher konvertiert. Sabinas Alterssitz wurde zu einem regionalen Zentrum des Protestantismus in Württemberg. Dort beschäftigte sie sich intensiv mit religiösen Fragen, richtete eine Bibliothek ein und engagierte sich für wohltätige Zwecke.

Grablege in der Stiftskirche zu St. Georg in Tübingen; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Sabina ruht wie ihr Gemahl in der Stiftskirche in Tübingen.

Welche Rolle spielte Sabina für Württemberg?

Das Herzogtum Württemberg war Gegenstand ständiger Machtkämpfe verschiedener Adelshäuser. Doch davon ließ Sabina sich nicht beirren und versuchte mit allen Mitteln, ihren Kindern das gesamte Herzogtum als zukünftiges Herrschaftsgebiet zu sichern. Sabinas Sohn Herzog Christoph gelang es trotz vieler Widrigkeiten, nach dem Tod seines Vaters Ulrich die Erbfolge in Württemberg tatsächlich anzutreten. Für Württemberg begann mit seiner Herrschaft eine Zeit des Friedens und der Neuordnung.

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