Nachbildung des berühmten Wildschweins in Schloss Urach

Herzogliches Jagdglück

Die Wildsau

Einst machte ein gewaltiges Wildschwein die Gegend von Urach unsicher. Herzog Ulrich von Württemberg konnte das Tier im Jahr 1507 erlegen. Noch heute erinnert eine hölzerne Nachbildung der gewaltigen Wildsau an das legendäre Jagdglück. Ihr Innerstes verbirgt ein Geheimnis.

Herzog Ulrich von Württemberg um 1530 – Holzschnitt von Hans Brosamer

Herzog Ulrich von Württemberg.

Nur der Herzog besass das Jagdprivileg

Ein außergewöhnlich großes Wildschwein machte zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Gegend um Urach unsicher. Es zerwühlte Felder und zerstörte so die Ernte. Da alleine dem Landesherrn das Jagdprivileg zustand, wandten sich die bedrängten Bauern an Herzog Ulrich. Sie flehten ihn an, ihnen zu Hilfe zu kommen und dem Rasen des Tieres ein Ende zu bereiten. Der Herzog machte sich schließlich mit einigen Jagdgefährten auf, das Tier zu erlegen und sein Land vor weiterem Unheil zu bewahren.

Darstellung eines Hundes im Goldenen Saal von Schloss Urach

Unverzichtbarer Begleiter bei einer Jagd.

Gefährliches Jagdunternehmen

Auf dem Rossfeld bei St. Johann stellte die Jagdgesellschaft das Tier und Herzog Ulrich tötete es eigenhändig. Die Erlegung eines Wildschweines gehörte bis zur Entwicklung von Feuerwaffen zu den gefährlichsten Jagdunternehmungen, die schnell tödlich enden konnten. Mit seinen messerscharfen, herausstehenden Eckzähnen konnte ein Wildschwein gefährliche, todbringende Wunden zufügen und einen Jäger überrennen. Auge in Auge musste der Jäger mit einem Sauspieß zielsicher den tödlichen Stoß setzen.

Für die Nachwelt geschaffen

Auf Befehl des jungen Herzogs wurde die gesamte Schwarte – so wird das Fell des Wildschweins bezeichnet – präpariert und nicht wie üblich nur der Kopf oder die Eckzähne. Das erlegte Wildschwein wurde vermessen, als Holzmodell nachgebaut und mit der Schwarte bezogen. Diese außergewöhnliche Art der Präsentation einer Jagdtrophäe sollte die Größe des Tieres, und damit die Größe der Heldentat Herzog Ulrichs, künftig jedem Gast vor Augen führen und der Nachwelt überliefern. Die lebensgroße Figur ist 1,35 Meter hoch und 2,09 Meter lang. Die Nachbildung steht auf einem Holzbrett mit Rollen.

Replikat des Tiers, das Herzog Ulrich von Württemberg 1507 erlegt haben soll.

Versetzte einst die Gäste in Angst und Schrecken.

Die Wildsau bewegt sich!

Die lebensechte Wirkung des Tieres wurde gesteigert, indem es sich wie von Zauberhand in Bewegung setzte. Ein versteckter Federmechanismus ließ die Wildsau sich auf den Betrachter hin bewegen und ihn so den Schrecken einer echten Jagdsituation nachempfinden. Martin Crusius schrieb 1596 in seiner Chronik: „Zu Aurach wurde ein wildes Schwein von Holtz durch Kunst gemacht, welches von Herzog Ulrich erlegtes natürliches und wahrhaftiges wildes Schwein präsentierte … denjenigen zulieff, welche dabey stunden.“

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