Eines der spätmittelalterlichen Schlösser Württembergs

Residenzschloss Urach

Zentraler Saal des Schlosses

Der Palmensaal

Über der Dürnitz liegt der zentrale, große Empfangssaal, der wegen seiner Ausmalung als Palmensaal bezeichnet wird. Die Gepflogenheiten seiner italienischen Verwandtschaft inspirierten Graf Eberhard V. dazu, den Saal mit wandhohen Palmen ausmalen zu lassen.

Blick auf die Wandmalerei im Palmensaal von Schloss Urach; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

Die in den 1960er-Jahren freigelegte Ausmalung.

Hoch zu Ross in den Empfangssaal

Eine hölzerne Außentreppe, die von Ross und Reitern genutzt werden konnte, führte vom Schlosshof in das erste Obergeschoss, in den sogenannten Palmensaal. Er erstreckt sich über das gesamte Geschoss und ist der zentrale Empfangs- und Festsaal des Residenzschlosses. Ursprünglich wurde die Decke des Saals, über deren Ausgestaltung nichts Näheres bekannt ist, von Eichensäulen abgestützt.

Porträt Eberhards V. in der Tübinger Stiftskirche; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Robert Bothner

Herzog Eberhard V. (im Bart) von Württemberg.

„Attempto“ – „Ich wag´s“

Der weite Saal ist mit einem außerordentlich anspruchsvollen Bildprogramm dekoriert. Wandhohe Palmenbäume zieren die Wände mit Eberhards Motto „Attempto“. Das Symbol der Palme mit diesem Wahlspruch führte Graf Eberhard V. seit seiner Pilgerreise nach Jerusalem 1468. Vor den großen Palmenbäumen befinden sich acht gemalte Schilde mit den Wappen der Urgroßväter und Urgroßmütter Eberhards V., die von der hohen Abstammung des Grafen zeugen.

Monumentaler Ahnennachweis

Anlässlich seiner Hochzeit mit Barbara Gonzaga, Tochter des reichen und kultivierten Markgrafen Ludovico II. Gonzaga von Mantua, ließ Graf Eberhard V. den Palmensaal 1474 überaus reich ausmalen. Er präsentierte mit diesem stolzen und monumentalen Ahnennachweis jedem Gast seines Schlosses die enge Verwandtschaft des Hauses Württemberg mit den Fürstenhäusern Europas. Sie ist die älteste noch heute erhaltene monumentale heraldische Ahnenprobe im weltlichen Bereich nördlich der Alpen.

Im Residenzschloss Urach lebte lange Jahre die württembergische Herrscherfamilie.

Ansicht vom Palmensaal in Schloss Urach; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Janna Almeida

Blick vom Weißen Saal in den Palmensaal.

Jagdsaal und herzogliches Appartement

Im 16. Jahrhundert wurde der Saal zum Jagdsaal umgewandelt, wovon verschiedene Inschriften zeugen, die sich auf herzogliche Jagden beziehen. Neben den Palmen zieren weitere Wandmalereien den Saal. So sind in einer Fensternische das Wappen des Herzog Ulrich und an einem anderen Fenster dekorative Malereien aus dem Jahr 1611 zu sehen. Zu Zeiten Herzog Carl Eugens wurde der Palmensaal zum fürstlichen Appartement mit Gardesaal umgebaut. Die Sanierungsarbeiten der 1960er-Jahre haben den völlig umgestalteten Raum teilweise wiederhergestellt.

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