Am 3. Juli 1474 fand in Urach die Trauung Graf Eberhards mit Prinzessin Barbara Gonzaga von Mantua statt. Die mehrere Tage andauernden Feierlichkeiten versammelten 13.000 Gäste. Diese verspeisten unter anderem 165.000 Brote und tranken rund 150.000 Liter Wein. Die Speisefolge des großen Festmahls listet 22 Gänge auf: 1. Hühner in einer weißen Brühe, 2. Grünes Kraut mit Bratwürsten, 3. Gebratenes Spanferkel, 4. Heiß gesottene Forellen, 5. Ein gebackenes weißes Ochsenfleisch......22. Krebse.
Preisend mit viel schönen Reden
Ihrer Länder Wert und Zahl,
Saßen viele deutsche Fürsten
Einst zu Worms im Kaisersaal.
"Herrlich", sprach der Fürst von Sachsen,
»ist mein Land und seine Macht,
Silber hegen seine Berge Wohl
in manchem tiefen Schacht."
"Seht mein Land in üpp'ger Fülle", Sprach der Kurfürst von dem Rhein,
»Goldne Saaten in den Tälern,
Auf den Bergen edlen Wein!"
"Große Städte, reiche Klöster!"
Ludwig, Herr zu Bayern, sprach,
"Schaffen, dass mein Land dem euren
Wohl nicht steht an Schätzen nach."
Eberhard, der mit dem Barte,
Württembergs geliebter Herr,
Sprach:"Mein Land hat kleine Städte,
Trägt nicht Berge silberschwer;
Doch ein Kleinod hält's verborgen:
Dass in Wäldern, noch so groß,
Ich mein Haupt kann kühnlich legen
Jedem Untertan in Schoß."
Und es rief der Herr von Sachsen,
Der von Bayern, der vom Rhein:
"Graf im Bart! Ihr seid der reichste,
Euer Land trägt Edelstein!"
Justinus Kerner
Die marmorne Tischplatte des Schragentisch, der im Goldenen Saal steht, ist seit dem Dreißigjährigen Krieg zersprungen. Der Legende nach wurde sie 1635 von einer vom Hohenurach abgefeuerten Kanonenkugel zerstört, die die Tafel der kaiserlichen Offiziere traf, die Urach schon eingenommen hatten.
"Zu Aurach wurde ein wildes Schwein von Holtz durch Kunst gemacht, welches ein von Herzog Ulrich erlegtes natürliches und wahrhafftiges wildes Schwein repräsentierte, und dergestalten zubereitet war, daß es, wann man ein kleines Höltzlein mit dem Fuß hinab druckte, denenjenigen zulieff, welche dabey stunden."
Eduard Mörike kam als Vierzehnjähriger am 27. November 1818 als einer der ersten Seminaristen des neu gegründeten evangelisch-theologischen Seminars nach Urach. Nicht nur die Landschaft um Urach hinterließ ihre Spuren in Mörikes Dichtung. Der Rittersaal in Mörikes einzigem Roman, dem "Maler Nolten" erinnert an den Goldenen Saal des Uracher Residenzschlosses:
"(...) einen kleinen getäfelten Rittersaal mit einem Erker, der die schönste Aussicht im ganzen Schloss darbiete. Sodann beschrieb er den alterthümlichen Reiz der vielfach verzierten eichenen Wände, eine Reihe von lebensgroß in Holz geschnitzten Grafen und Herzogen mit ihren Wappenschildern und Sinnsprüchen (...) und Nolten musste gestehen, er fühle sich wahrhaft erleichtert und erhoben durch eine so heiter als eindrucksvolle Umgebung. Fenster an Fenster reihten sich die langen Wände entlang und die ehemalige Pracht erstreckte sich selbst bis auf die kleinen runden Scheiben, deren Blei noch überall die Spuren guter Vergoldung zeigte. Es soll der Saal vor Zeiten seiner Kostbarkeit und außerordentlichen Helle wegen ,"die goldene Laterne" geheißen haben. (...)
Der Lyriker und Erzähler und spätere Minister für Kultur der DDR, Johannes R. Becher (1891-1958) hielt sich zwischen 1923 und 1930 als Dauergast des "Uracher Kreises" in der Stadt auf. . Becher fand in Urach eine Heimat. In den Jahren 1943 bis 1944 entstanden in Erinnerung an seine Uracher Zeit Gedichtzyklen, darunter "Urach oder der Wanderer aus Schwaben".
"Die Rauhe Alb. Von Höhen wie umfangen und zu den Höhen wie im Traumverlangen Aufblickend: Urach. Apfelbäume blühn, Und tief verneigen sich die Blütenzweige. Ein Holzfuhrwerk zieht hoch die Ulmer Steige. Die Burgruine: Fels im Hügelgrün. (...)
Johannes R. Becher